Wie der Name schon sagt, umfaßt Kognitive Verhaltenstherapie sowohl kognitive (=Erkenntnis betreffend; Einstellungen, Gedanken, Selbstgespräche, Vorstellungen und Interpretationen) als auch verhaltensbezogene Techniken; sie hat sich seit den 50er Jahren aus der Verhaltenstherapie entwickelt. Wichtige Vertreter dieser Richtung sind A. BECK, A. ELLIS und D. MEICHENBAUM, die ihr Interesse verstärkt auf innere gedankliche und bildhafte Prozesse legen. Grundannahme ihrer Theorien ist, daß Gefühle und Verhaltensweisen ein direkter Ausdruck von Gedanken sind. Deshalb wird im Therapieprozeß daran gearbeitet, irrationale, ungesunde und problematische Denkweisen, die mit psychischen Problemen einhergehen, zu verändern. Ein typisches gerne von ELLIS angesprochenes Beispiel ist die Gedankenkette: "Ich muß von allen geliebt und gemocht werden, wenn dies nicht der Fall ist, so ist es schrecklich." Solche Gedanke führen zu Ängsten und/oder Depressivität. Derartige Gedanken werden in der Kognitiven Verhaltenstherapie hinterfragt und bearbeitet, wenn der Klient sich dazu entschieden hat, z.B. die damit verbundenen Probleme verringern zu wollen.
Verhaltenstechniken stammen aus der Verhaltenstherapie und haben einen gleich hohen Stellenwert in der Kognitven Verhaltenstherapie. Basisannahme dabei ist, daß ungünstige, problematische Verhaltensweisen erlernt wurden und wieder verlernt werden können. Typische Strategien dabei sind zum Beispiel der Aufbau von selbstsicheren Verhaltensweisen, Entspannungsverfahren oder die gezielte Konfrontation mit gefürchteten Objekten.
Sowohl kognitive als auch verhaltensbezogene Techniken haben sich als effektiv in der Behandlung von Ängsten, Phobien (=Ängste vor Objekten) und Depressionen erwiesen. Dies ist vielfach wissenschaftlich untersucht und nachgewiesen worden. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß (Kognitive) Verhaltenstherapie neben tiefenpsychologischen Methoden am ehesten von deutschen Krankenkassen bezahlt wird. Im Gegensatz zu tiefenpsychologischen Ansätzen wird die Kognitive Verhaltenstherapie manchmal als oberflächlich und günstig für "Kurzzeitprobleme" betrachtet. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß die Kognitive Verhaltenstherapie auf eine breite Anzahl von Problemen angewendet werden kann. Sie unterstützt den Klienten schon sehr frühzeitig darin, seine Probleme langfristig ohne den Therapeuten verändern zu können.
RATIONAL-EMOTIVE VERHALTENSTHERAPIE
Im folgenden wird die von ALBERT ELLIS entwickelte Rational-Emotive Verhaltenstherapie als eine besonders strukturierte und auf Selbsthilfe abzielende Methode vorgestellt. ELLIS entwickelt seit den 50er Jahren als Alternative zur klassischen eher passiven Psychoanalyse und als Erweiterung verhaltenstherapeutischer Techniken die Rational-Emotive Therapie (RET), die er seit einigen Jahren Rational-Emotive Verhaltenstherapie nennt. Er läßt sich dabei besonders von den Stoikern leiten: "Die Menschen werden nicht durch die Dinge selbst verwirrt, sondern durch die Art, wie sie über sie denken." Beeinflußt wurde er auch von den Lehren Bertrand Russells und Alfred Adlers.
Im Mittelpunkt seiner Theorie steht das sogenannte "ABC-Modell der Gefühle", wobei mit A (=activating event) das auslösende Ereignis eines Problems, mit B (=Believes) Gedanken und Bewertungen und mit C (=consequences) Gedanken und Gefühle gemeint sind. Dazu ein Beispiel:
A = Auslösendes Ereignis |
B = Gedanken und Bewertungen |
C = Gefühle und Verhalten |
| "Ich sitze im Bus. Katja setzt sich neben mich." | "Jetzt ist wieder eine Möglichkeit, sie zu einem Kaffee einzuladen. Das ist meine letzte Chance, sie zu fragen. Sicherlich sagt sie nein oder ... sie lacht mich aus. Andere hier im Bus bekommen das mit. Sie erzählt es meinem Kollegen und der lacht mich aus. Das wäre mir furchtbar peinlich. Ich könnte mich hier im Bus und bei meiner Arbeit nicht mehr sehen lassen." | Gefühle: Angst, Aufregung, Niedergeschlagenheit;
Verhalten: unruhiges Hin- und Herrutschen, Zittern |
ELLIS geht davon aus, daß irrationale Bewertungen oder Einstellungen über Erziehungs-, Kultur- und Sozialisationsprozesse erworben worden sind. Jeder Mensch entwickelt eine eigene Philosophie, die sich in seinen Selbstgesprächen wiederspiegelt. Dabei werden nicht alle problematischen Verhaltensweisen in den ersten Lebensjahren erworben sondern auch später.
Ein Therapeut, der mit der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie arbeitet, wird unter anderem folgende Techniken einsetzen:
Sie sehen daran, daß die Rational-Emotive Verhaltenstherapie eine direkte, eher konfrontative Therapieform ist. Der Therapeut hinterfragt sehr genau die Gedanken und Bewertungen, die zu belastenden Konsequenzen führen und sucht nach gedanklichen Alternativen. Dies geschieht natürlich in einer Atmosphäre des Respekts vor den Problemen des Klienten. Rational-Emtovie Verhaltenstherapie hilft, in Belastungssituationen mit rationalen Mitteln Gefühle und Verhaltensweisen angemessen zu steuern. Dies führt jedoch nicht dazu, daß wir unsere Gefühle verlieren und uns wie ein Roboter verhalten. Ein Beispiel dafür ist Ärger: zu viel davon bringt unser vegetatives Nervensystem in Fahrt und führt zu gesundheitlichen Problemen; leichter Ärger, hingegen motiviert eher, demnächst bessere Lösungen zu finden. Es kommt also auf das Ausmaß eines Gefühls an.
| BUCHEMPFEHLUNGEN |
Mittlerweile gibt es eine Reihe von deutschsprachigen Büchern, in denen kognitiv-verhaltenstherapeutisches Wissen als Möglichkeit zur Selbsthilfe oder als Ergänzung zur Therapie geschrieben steht. Dazu folgende Empfehlungen:
1. Wolf, Doris u. Merkle, Rolf: Gefühle verstehen, Probleme bewältigen. PAL: Mannheim 1996, 13. Auflage. Hier finden Sie ausgehend vom oben beschriebenen "ABC der Gefühle" erste Hilfestellungen zu Problemen wie Ängsten, Depressivität, Ärger oder Eifersucht.